Trader Gernot Daum (Statistikfuchs)

Erster Einbruch im Bullenmarkt – Was tun?

Liebe Leser,


Aus aktuellem Anlass möchte ich Ihnen heute ein paar Gedanken zur allgemeinen Handelsstrategie nahe legen. Der Dax ist in einem starken Bullenmarkt, doch in den beiden letzten Tagen kam es zu ersten größeren Kursrückgängen. Ursache laut Nachrichtenlage ist die politische Entwicklung im Jemen. Was ist zu tun? Zunächst: Aktienmärkte ändern nicht so ohne weiteres die mittelfristige Richtung, und der Einfluss von politischen Ereignissen auf den Markt gilt als kurzlebig.


Lassen Sie es mich daher am Beispiel der TAG Tegernsee Aktie erläutern. Dazu war hier kürzlich einen Artikel zum Thema „Topbildungsphase“ erschienen (Link unten) Der Chart der Aktie scheint vorweggenommen zu haben, was momentan mit dem Gesamtmarkt passiert. Nach einem starken und langen Kursanstieg kommt es plötzlich zu deutlichen Kursschwankungen.

Punkt 1: Was zu viel ist, ist zu viel oder „Sell down to a sleeping point“ als Börsenweisheit der Wallstreet. Eine bewährte Strategie ist es, in einem starken Bullenmarkt die Depotgröße auf einem Maximum zu haben. Doch die letzten Depotvergrößerungen werden dabei mit recht engen Stopps abgesichert. Im TAG Tegernsee Beispiel ist der mit 1 bis 2 bezeichnete Trade, der nach einem Fehlausbruch sofort ausgestoppt wurde. Bei Depots, die zu groß waren, sollten nun also bereits erste Stopps gegriffen haben.


Punkt 2: Die Erhöhung der Volatilität verschlechtert das Chance / Risiko Verhältnis, denn es ist nun längere Zeit nicht mehr möglich, tiefer liegende Stopps nachzuziehen. Also sollte Sie über weitere Positionsreduzierungen nachdenken, und versuchen, dies zu günstigen Kursen zu tun. Im TAG Tegernsee Beispiel ist das der von 3 bis 4 eingezeichnete Trade. Nach einem Rückgang der Volatilität kann man solche Positionen wieder zurückkaufen.

Punkt 3: Die Märkte loten nun ihre Grenzen nach unten aus und setzen neue technische Marken. Erst wenn diese Marken feststehen, sollten sie weitgehende strategische Entscheidungen fällen. Denn erst dann steht die Kraft der Käufer im Markt fest. Sind sie noch da? Stehen sie weiterhin unter Anlagedruck? Die Hypothese ist: Ja dem ist so. Aber die Bestätigung dafür ist nur über die Charts zu erhalten.


Zu dem zuletzt genannten Punkt sehen Sie hier noch ein aktuelles Beispiel. Die Continental Aktie steht für die Autobranche als den Hauptmotor des Bullenmarktes der letzten 2-3 Monate. Eingezeichnet sind eine Trendlinie und eine wichtige Unterstützung bei 205 Euro. Das Verhalten an diesen beiden Marken wird sehr viel über die Stimmung der Käufer aussagen. Suchen Sie sich Charts mit ähnlich signifikanten Marken, und beobachten Sie diese genau.


Fazit: Sie haben einen dreiteiligen Handlungsplan gesehen, um mit der aktuellen Marktsituation umzugehen. Vielleicht ist Ihre persönliche Strategie anders. Wichtig ist jedoch: Sie haben eine solche, und Sie haben sich diese schon vorher als Teil Ihres allgemeinen Tradingplans festgelegt. Das hilft dabei, in der Hitze des Gefechts einen kühlen Kopf zu behalten.

Tageschart der Continental Aktie im März 2015