Trader Gernot Daum (Statistikfuchs)

Aktuelles Muster – „Nur nicht den Kopf herausstrecken“

Liebe Leser,


Gelegentlich finde ich am Aktienmarkt ein bestimmtes Muster bei vielen Aktien gleichzeitig und ziehe daraus meine Schlüsse über den Markt. Im Moment habe ich ein solches Muster identifiziert und es heißt „Nur nicht den Kopf herausstrecken“. Als Trendfolger habe ich immer viele Aktien auf der Beobachtungsliste, die gerade einen Durchbruch an einer wichtigen Marke versuchen. Denn nach dem Durchbruch erfolgt oft ein dynamischer Trendschub, den ich ausnutzen möchte.

Im Moment scheitert jedoch fast jeder Durchbruch nach oben. Das gilt für die Dax Aktien und die Aktien aus den kleineren deutschen Indizes. Es gilt jedoch genauso für Aktien des US Marktes. Insbesondere auch für die Aktien des NASDAQ100, obwohl sich dieser Index insgesamt charttechnisch noch recht gut präsentiert. Fast jede Aktie, die einen Durchbruch versuchen will, fällt wieder zurück. Oft erst, nachdem sie ein paar Tage an der Durchbruchsmarke „kleben bleibt“.

Sehen Sie als Beispiel dazu die ThyssenKrupp Aktie. Am 15. April kam es zu einem Ausbruch über das Märzhoch bei 25,70, der jedoch umgehend zurückgeschlagen wurde. Der Kursrückgang binnen 2 Tagen war so heftig, das es sogar nach einem Ende des Trends aussah. Doch die Aktie konnte sich oberhalb von 24 Euro stabilisieren und unternahm in den letzten Tagen einen neuen Anlauf auf die mittlerweile auf 26,20 verschobene Höchstmarke. Ein Ausbruch ist allerdings gerade jetzt wieder gescheitert. Ich könnte Ihnen noch etliche ähnliche Beispiele zeigen, im Dax zum Beispiel ist aktuell noch Lanxess.


Für Premiumdienst Abonnenten mit Zugang zum NASDAQ100 Katalog sollten sich die folgenden typischen Beispiele anschauen: Akamai, Check Point Software, F5 Networks, Intuit, O’Reilly Automotive, Regeneron Pharmaceuticals, Starbucks, Vodafone Group. Alle diese Aktien haben Aufwärtstrends, die mit 2 Sternen bewertet sind und schaffen es nicht, an den dritten Stern zu kommen.


Der NASDAQ100 ist übrigens als kompletter Index selbst ein gutes Beispiel für ein sehr ähnliches Muster. Ende April war ein Ausbruch über die Hochs vom März erfolgt. Der S&P500 und der Dow Jones hatten einen solchen Ausbruch zum gleichen Zeitpunkt gar nicht erst versucht. Doch dieser Ausbruch scheiterte dann deutlich. „Nur nicht den Kopf herausstrecken“!

Tageschart der Thyssen Aktie im Mai 2015


Meine Interpretation dieser Muster: Es ist im Moment noch ausreichend Liquidität im Markt, die untergebracht werden muss. Jedoch gibt es kaum Marktteilnehmer, die in absehbarer Zeit mit größeren Kursanstiegen rechnen und sich mit größeren Positionen an einzelne Aktien binden möchten. Wie geht es nun weiter, und wie kann sich das aktuelle Muster auflösen?


Zunächst kann es natürlich noch eine Zeitlang so weitergehen. Das würde mich nicht wundern. Bleibt der Liquiditätsüberschuss, dann werden sich immer mehr Aktien an solche Ausbruchspunkten nach oben „versammeln“. Dann genügt ein Funke, um alle gleichzeitig ausbrechen zu lassen, was dann zu einem dynamischen Trendschub des Gesamtmarktes führt.

Bis dahin verfolge ich mit Argusaugen, etwas genau mit den Aktien passiert, die „versuchen den Kopf herauszustrecken“. Und ich zähle, wie viele es sind, und ob es mehr werden.


Das Gegenszenario: Die Liquidität trocknet aus, die Anzahl der Ausbruchskandidaten nimmt ab, und nach gescheiterten Ausbrüchen kommt es zu heftigen Kursrückgängen wie bei Thyssen im April.


Fazit: Beobachten Sie aktuell insbesondere das Verhalten und die Anzahl von Aktien an charttechnischen Ausbruchspunkten nach oben, um den Gesamtmarkt beurteilen zu können.