Trader Gernot Daum (Statistikfuchs)

Starker Dollar – Gewollt oder nicht?

Liebe Leser,


Ich bin stetig auf der Suche nach den im Moment für den Markt relevanten Themen. Denn mit solchen Themen ist es möglich, durch die Beobachtung von wenigen Charts einen äußeren Rahmen für die Trading Aktivitäten zu setzen. Während es im letzten Jahr an den Währungsmärkten eher langweilig zuging, dominieren im Augenblick starke Trends. Währungen sind also ein relevantes Thema

Hauptmotor dieser Trends ist der starke Dollar. Hier stellet sich sofort die Frage: ist das gewollt, oder gerät hier den Notenbanken etwas außer Kontrolle? Meiner Erfahrung nach versuchen Notenbanken in Zusammenarbeit mit der Politik eher einen Status Quo zu erhalten, und die Aktienmärkte damit zu beruhigen.


Das Hauptmotiv für den starken Dollar ist, dass die Marktteilnehmer (wieder einmal) mit einem Ende der lockeren Geldpolitik in den USA rechnen. In anderen Gegenden der Welt möchte man die Zinsen hingegen am liebsten sogar in den negativen Bereich drücken. Kann das gut gehen? Sehen Sie hier den Chart des US Dollar Index, welche die Entwicklung des Dollars gegen einen ganzen Korb von Währungen darstellt.


Bis zum Sommer des letzten Jahres hatten die Notenbanken die Entwicklung im Griff. Der Dollar Index plätscherte seitwärts vor sich hin. Keine Beunruhigung der Märkte, der Status Quo bleibt erhalten.


Vermutlich konnte kein Währungsspekulant zu diesem Zeitpunkt das Ausmaß des Trend einschätzen, der schließlich im August begann. Die drei eingezeichneten Trendlinien werden immer steiler. Ein Zeichen für einen Trend, der außer Kontrolle gerät. War das der Plan der Notenbanken?

Zweitageschart des US Dollar Index im März 2015


Was meint der Aktienmarkt dazu? Nach der nochmaligen Beschleunigung des Aufwärtstrends beim US Dollar Index sprechen die Indizes der US Aktienmärkte eine deutliche Sprache. Innerhalb von nur wenigen Tagen ist der Bullenmarkt fast vollständig zusammengebrochen, wie Sie hier am S&P500 Index sehen.


Nach einem Fehlausbruch über die Dezember Hochs kam es zu eine regelrechten Verkaufspanik. Steigende Zinsen und eine Schwächung der US Firmen am Weltmarkt durch den starken Dollar – diese Mischung schmeckt den Marktteilnehmern überhaupt nicht.


Wie geht es nun weiter? Bisher trat immer die US Notenbank auf den Plan: „Alles nicht so schlimm“, signalisierte sie, mit den Zinserhöhungen lasen wir uns Zeit. Sie hat in den letzten Jahren ein großes Geschick dabei entwickelt, die Märkte zu beruhigen und in der Folge kam es immer wieder zu schnellen V-Böden. Irgendwann wird das nicht mehr funktionieren. Aber als Trendfolger setzt man darauf, dass alles erst einmal so bleibt wie es ist.

Tageschart des SP 500 Index im März 2015

Fazit: Wer risikofreudig und schnell ist, kann auf einen kurzfristigen V-Boden bei den US Aktienmärkten spekulieren. Gelingt dieser V-Boden jedoch nicht, müssen auch langfristig orientierte Anleger an eine Reduktion der Depotgröße denken. Das gilt genauso für den deutschen Aktienmarkt, den das alles im Moment noch nichts anzugehen scheint.