Trader Gernot Daum (Statistikfuchs)

Keine schlechten Trends kaufen – Beispiel Gerry Weber

Liebe Leser,


Ich werden immer mal wieder nach Aktien gefragt, bei denen doch „offensichtlich Nachholbedarf besteht“. Sie wäre hinter dem Markt zurückgeblieben und müssten jetzt aufholen. Dazu kann ich nur sagen: So etwas wie Nachholbedarf gibt es nicht. Wenn eine Aktie zurückbleibt, so hat das meist einen guten Grund.

Im Marktablauf macht sich das dann durch einen oder mehrere hartnäckige Verkäufer bemerkbar, die ihre Bestände nach und nach in den Markt geben, und somit das „Zurückbleiben“ verursachen. Vertrauen Sie diesen Verkäufern. Es sind oft große Fonds mit einer guten Recherche Abteilung.

Ein aktuelles Beispiel für so ein Verhalten ist die Gerry Weber Aktie aus dem MDax. Sie war im Bullenmarkt dieses Jahres bestenfalls mitgelaufen, eher etwas zurückgeblieben. Ende letzten Jahres war sie zwar aus einer Bodenbildung ausgebrochen (1). Da dabei jedoch gerade mal der langfristige gleitende Durchschnitt erreicht wurde, war das noch kein Aufwärtstrend, sondern meine Trendeinstufung war „Neutral“.


Im Januar ging es dann zwar im Schnitt leicht aufwärts. Betrachtet man jedoch den Indikator unter dem Chart, welcher die Entwicklung im Vergleich zum Dax anzeigt, so blieb die Aktie hinter dem Markt zurück. Im Februar lief sie dann mit dem Markt im gleichen Tempo. So sieht für mich eine Aktie aus, bei denen vorsichtige aber konsequente Verkäufer jede Gelegenheit nutzen, ihre Bestände loszuwerden.


An Punkt (2) brach Gerry Weber dann aus der Konsolidierungsformation nach oben aus. Nun stufte ich die Aktie zwar in einen „Aufwärtstrend“ hoch, vergab für die Qualität aber nur einen Stern. Immerhin war es ein neues Hoch, dafür gab es den Stern. Aber nicht mehr, weil es einfach die ganze Zeit davor und auch jetzt an Trenddynamik gefehlt hatte.

Tageschart der Gerry Weber Aktie im März 2015

Trendaktien mit nur einem Stern sind für mich noch keine Kaufkandidaten, dazu sind zwei Sterne notwendig. Der Ausbruch erwies sich als Fehlausbruch und wurde mit einem heftigen Rücksturz beendet. Die zuvor klar sichtbaren Verkäufer hatten sich durchgesetzt.

Fazit: Wenn ein Chart mir sagt, dass ein hartnäckiger Verkäufer vorsichtig seine Bestände auf den Markt drückt, dann kaufe ich die Aktie nicht. Zu einem Trend gehört eine gewisse Dynamik. Fehlt diese, so ist es ein schlechter Trend. Bei Gerry Weber war der plötzliche Absturz aus diesem Grund keine große Überraschung.