Trader Gernot Daum (Statistikfuchs)

Absturz der Lufthansa Aktie II

Liebe Leser,


in meinem gestrigen Artikel zur Lufthansa Aktie hatte ich viele Fragen gestellt, und wenige Antworten gegeben, um Ihren Denkprozess anzuregen. Was gibt es zu den Ereignissen vom 11.06 zu sagen? Zwei Dinge hatte ich bereits in den Chart eingezeichnet, ohne sie zu erklären. Eine rote Linie und einen roten Punkt.

Die rote Linie werden die meisten als Stoppkurs erkannt haben. In der Tat lag ein sinnvoller Stopp für eine Trendposition unterhalb der Konsolidierungszone von Ende Mai / Anfang Juni bei 18,75. Der rote Punkt kennzeichnet die Ausführung dieses Stoppkurses. Er liegt ein Stück unterhalb der Linie und das erkläre ich Ihnen anhand des folgenden Minutencharts:

Der Chart zeigt den Schluss der Börsensitzung vom 10.06 und die ersten 1,5 Stunden vom 11.06. Kurz nach 09:15 kam es zu einem Gap nach unten, was für einen Intraday Chart sehr ungewöhnlich ist. Der Tickchart gibt die Information, dass zwischen 09:15:40 bei 19,48 und 09:17:55 bei 18,425 über 2 Minuten keine Kursfeststellung erfolgte. In so einem Fall kann man davon ausgehen, dass eine Nachricht hereinkam, die den Handelsablauf unterbrochen hat. Zudem ist der Umsatz der Kursfeststellung um 09:17:55 sehr hoch.


Was ist da passiert? Nach einer kursrelevanten Nachricht erfolgt die nächste Kursfeststellung meist erst nach einem kurzen Handelsstopp zu einem Kurs, bei dem dann nach den vorliegenden Aufträgen der größte Umsatz stattfinden würde. Und dabei sind schon viele Stoppaufträge berücksichtigt, die nun zu einer Marktorder werden.


Was ich damit sagen will: Egal, wo ein Stoppkurs zwischen 19,48 und 18,425 gelegen hätte, bei 18,50 oder „meinen“ 18,75 oder 19 oder gar 19,40: Ausgeführt worden sind all diese Stoppaufträge bei 18,425. Ich möchte Ihnen damit die Illusion nehmen, dass sie Positionen beliebig groß machen können, weil Sie ja den Stopp beliebig eng heranziehen können.

Minutenchart der Lufthansa Aktie am 11.06.2014


Berücksichtigen Sie das bei Ihrem Risiko Management und legen Maximalgrößen für Positionen fest, so dass Sie auch ungewöhnlich hohe Verluste noch vertragen können. Selbst bei Dax Aktien kann es zu plötzlichen Kursverlusten im zweistelligen Prozentbereich kommen. Über Nacht oder wie hier gesehen sogar Intraday. Das bedeutet zwar, dass sie viele kleinere Positionen handeln müssen, und nicht mit Einzelpositionen reich werden können. Aber der Weg zum Reichtum wird dadurch sicherer.


Der zweiter Punkt: Die Lufthansa Aktie ist aufgrund einer Nachricht über Umsatzrückgänge sowohl im Passagier- als auch im Frachtbereich so stark gefallen. Meist sickert in solchen Fällen schon vorher etwas durch und wirkt sich auf den Chart aus, auch wenn Insider Handel verboten ist. Doch dafür gibt es keine Garantie. Manchmal bleiben solche Nachrichten tatsächlich bis zur Veröffentlichung geheim. Suchen sie daher nicht auf Teufel komm raus nachtäglich nach Hinweisen im Chart. Der Lufthansa Chart sah zum Zeitpunkt des Einbruchs gut aus, und damit basta!

Manche denken, sie könnten bei der Entwicklung eines persönlichen Trading Stils eine Regel für jede denkbare Situation finden, um sich vor allen Risiken zu schützen. Aber das geht eben nicht. Viele Regeln machen ein System nur unnötig kompliziert und schwer handelbar. Funktionieren tut es obendrein nicht. Bei der Systementwicklung spricht man in diesem Fall von „Curve Fitting“.


Fazit

Lernen Sie auch aus der Entwicklung von Aktien, die sie selbst gar nicht gehandelt haben

Zum Risiko Management gehört neben einem Stopp auch eine maximale Positionsgröße. Auch wenn das mehr Arbeit bedeutet, weil sie viele kleinere Trades machen müssen

Halten Sie Ihren Tradingstil einfach, dann können Sie ihn auch „im Schlaf“ durchführen


P.S.: Ich selbst hatte keine Position. Denn ich war zu dem Zeitpunkt in Urlaub. Und dann habe ich grundsätzlich keine offenen Positionen. So lässt sich der Urlaub besser genießen. Auch dass ist eine Entscheidung zum persönlichen Trading Stil.