Trader Gernot Daum (Statistikfuchs)


Spannungen, wo keine sein dürfen – Euro / Schweizer Franken

Liebe Leser,


Momentan schaue ich mit Spannung auf das Währungspaar Euro gegen den Schweizer Franken. Ich liebe es, wenn Dinge passieren, die eigentlich nicht passieren dürfen. Man bekommt so viele Informationen über den Zustand des Marktes, die man an anderer Stelle lange suchen muss. Die Tatsache, dass bestimmte Dinge nicht passieren dürfen, widerspricht eigentlich der Idee der freien Märkte. Doch solche Dinge geschehen laufend, insbesondere an den Währungs- und Zinsmärkten.


Worum geht es? Der Franken wird geht gegen den Euro gestützt, und zwar schon seit Anfang 2012. Er darf die magische Grenze von 1,20 pro Euro nicht unterschreiten. Das geschieht wohl vor allem mir Blick auf die Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Industrie (in erster Linie Pharmaindustrie). Sehen Sie dazu den nebenstehenden Monatschart, es sind wohl keine weiteren Erläuterungen notwendig. Die aktuelle Entwicklung ist unten beim Tageschart zu sehen.

Monatschart des Euro gegen den Schweizer Franken im November 2014
Monatschart des Euro gegen den Schweizer Franken im November 2014


Die Schweiz mit ihrer Bankenwelt hat internationalen Finanzgefüge eine ganz besondere Rolle. Der Franken gilt als Rückzugswährung in Krisenzeiten. Damit ist er natürlich auch stark an den Dollar gebunden. Die gleichzeitige Bindung an Euro und Dollar führt nun, da der Dollar so stark gegen den Euro ist, zu Spannungen im Währungspaar. Der Kurs trudelt langsam auf die magische Grenze von 1,20 zu. Eine Vorverteidigungslinie bei 1,205 ist vor einigen Tagen bereits gefallen. Es bleibt abzuwarten, ob die Notenbanken diesem Druck werden standhalten können.


Fazit: Betrachten sie das besprochene Währungspaar als Druckmesser für den Kessel des internationalen Währungsgefüges. Sollte hier die rote Linie überschritten werden, hat das Konsequenzen für den gesamten Währungsmarkt. Und damit auch für die Aktienmärkte. Es muss nichts passieren. Aber wenn etwas passiert, ist es gut, darauf vorbereitet zu sein. Denn dann kann man schnell reagieren, zum Beispiel mit einem zeitweisen Rückzug vom Aktienmarkt.