Trader Gernot Daum (Statistikfuchs)

Nüchternheit schlägt Rausch 7:1. Was wir für das Trading daraus lernen können.


Liebe Leser,


Ich bin kein großer Freund der Mode, alles was momentan so geschrieben wird auf die laufende Fußballweltmeisterschaft zu beziehen. Aber der Sieg der deutschen Mannschaft im Halbfinale über Brasilien hatte eine starke psychologische Komponente, die auch im Trading eine entscheidende Rolle spielt. Erlauben Sie mir daher bitte, dieses Beispiel aufzugreifen.



Es ist eine Tatsache im Trading, dass eine Folge von Gewinnen bei fast allen Tradern zu psychologischen Problemen führt. Der Trader hält sich in diesem Moment für unüberwindbar und glaubt, dass er nicht mehr verlieren kann. Er beginnt dann Risiken einzugehen, die er zu einem Zeitpunkt des klaren und nüchternen Denkens nicht akzeptieren würde.

Das führt dann unweigerlich früher oder später zu einem hohen Verlust. Die Statistik vieler erfolgloser Trader sieht daher meist so aus, dass immer wieder auf eine Reihe von kleineren Gewinnen ein großer Verlust erfolgt, und die Gesamtbilanz damit negativ wird.


Doch das ist „Spielen im Rausch“. Erfolgreiches Trading besteht aber, auch wenn das nicht jeder gerne hört, aus harter Arbeit. Eine Tugend, welche die deutsche Mannschaft bei dieser WM gezeigt hat, und weswegen sie jetzt auch im Finale steht.


Als Beispiel greife ich nochmals auf die Lufthansa Aktie zurück. Deren Chart ab Mitte Juni erinnert in der Tat an den Absturz Brasiliens im Halbfinale der WM.


Tageschart der Lufthansa Aktie im Juli 2014


Ich bringe das Beispiel auch deswegen nochmals, weil ich nach meiner Einschätzung der Aktie gefragt wurde. Wann ich denn wieder kaufen würde, und was ich mit einer noch vorhandenen Position machen würde.


Ich dachte, ich hätte mich klar genug ausgedrückt, aber vielleicht bin ich als Trendfolger ja auch schon etwas „betriebsblind“: Eine Trendfolgeposition wäre bei mir sofort bei dem Einbruch ausgestoppt worden (blauer Punkt). Danach hätte ich nicht einmal mehr über eine neue Position nachgedacht. Es wird lange dauern, bis die Lufthansa Aktie wieder einen Aufwärtstrend entwickeln kann


Alleine der Intraday Chart am 11.06 war dermaßen schwach, dass der Zwang zum Verkauf von einen oder mehreren großen Fonds offensichtlich war. Das erklärt den weiteren Verfall ohne große Gegenwehr. Die Links zu den diesbezüglichen Artikeln finden Sie unten.

Ein Trendtrader, der sich bei der Lufthansa Aktie am 11.06 nicht sofort ausstoppen lässt, sondern an seiner Position festhält, verhält sich wie Brasilien nach dem Gegentor in der elften Minute. Statt nüchtern einen möglichen Verlust zu akzeptieren und zu kämpfen („neuer Trade, neue Chance“) verfällt er in eine Lähmung und aus einem überschaubaren Verlust wird ein Riesenverlust. Wer nüchtern bleibt, und die eigene Schwäche akzeptiert (wie Deutschland im Algerienspiel nach 90 torlosen Minuten) kann kämpfen und zurückkommen.


Fazit: Lernen Sie aus dem Fehler, den die Fußballnationalmannschaft von Brasilien gemacht hat und vom Gegenrezept der Deutschen. Die Mannschaft von Deutschland hat einfach „ihr Ding gemacht“ und ihr Fußballkönnen ausgespielt. Der Sieg wurde ihnen dann von Brasilien quasi geschenkt. Machen Sie auch „Ihr Ding“ und spielen ihr Tradingkönnen aus. Der Sieg wird Ihnen dann vom Markt geschenkt werden. Akzeptieren Sie, dass Sie bei einem Trade verlieren können, und planen für diesen Fall. Nur so wird es Ihnen gelingen, die auftretenden Verluste klein zu halten um dann in der Gesamtbilanz ein profitables Trading zu erreichen.


Artikel mit Bezug zum vorliegenden Artikel