Trader Gernot Daum (Statistikfuchs)

Liebe Leser,


In mehreren Artikeln hatte ich zum Kurseinbruch der Lufthansa geschrieben, und war unter Anderem zu dem Schluss gekommen, dass der Chart zur Vorhersage dieses Einbruchs keine Hinweise gegeben hatte. Also sind Charts nutzlos? Gemach, gemach. Man sollte sich im Umgang mit Charts einfach eine pragmatische Haltung angewöhnen. Charts stellen das Verhalten der anderen Marktteilnehmer dar, und lassen deswegen Rückschlüsse darüber zu, was diese wissen. Wenn diese nichts wissen, sieht man auch im Chart nichts.

So war es bei der überraschenden Nachricht zum Einbruch des Auftragseingangs bei der Lufthansa. In anderen Fällen ist aber durchaus ein Wissen vorhanden, welches sich im Chart widerspiegelt. Und das kann man dann zu seinem Vorteil nutzen, und sei es nur als Warnung vor einer gefährlichen Position. Es hat in dieser Woche wieder einen Kurseinbruch gegeben, der genauso heftig war, wie derjenige bei der Lufthansa. In diesem Fall hatte der Chart deutliche Warnsignale gegeben. Die Rede ist von der Billfinger & Berger Aktie aus dem Mdax.




Betrachten Sie diesen Chart. Bis Anfang März diesen Jahres hatte sich die Aktie noch in einem Aufwärtstrend befunden. Zwar war dieser Trend etwas volatil, aber durchaus solide. Dieser Trend ist dann „schleichend“ zu Ende gegangen. Insbesondere nach der Verkaufswelle Ende April konnte sich ein Trendfolger mit gutem Gewissen von der Aktie verabschieden. Nun bildete sich über mehrere Wochen hinweg bei 84 Euro eine Unterstützung heraus, und die Aktie begann dann langsam wieder zu steigen. Doch im Juni kam es zu einer neuen Verkaufswelle, welche die Unterstützung unterschritt.


Tageschart der Billfinger und Berger Aktie im Juli 2014

Was nun folgte war dann ein ernsthaftes Warnsignal. Der Kurs lief nämlich unterhalb von 82 in engen Grenzen seitwärts. Ein solches Muster ist ein starkes Anzeichen dafür, dass es einen oder mehrere Verkäufer gibt, die deutlich stärker sind als die Käufer (also mehr zu verkaufen haben, als die Käufer kaufen können). Sie versuchen, ihre Aktie zeitlich gestreckt loszuwerden, um den Kurs nicht allzu sehr zu drücken. Doch zu nennenswerten Kurssteigerungen kann es unter diesen Umständen nicht mehr kommen.

Und dann kam eine Nachricht, welche die Aktie in die Tiefe riss. Im Gegensatz zur Lufthansa hatte der Chart in diesem Fall klar und deutlich gewarnt. Trendfolger hätten die Aktie zu dem Zeitpunkt zwar sowieso nicht im Depot. Aber auch für Anleger die nach anderen Kriterien vorgehen (zum Beispiel mit Recherchen der fundamentalen Lage der Aktie) kann ein solches Warnsignal sehr nützlich sein. Der Chart zeigt, dass „jemand etwas weiß“.


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