Trader Gernot Daum (Statistikfuchs)

Wie denkt ein Fond Manager?


Lieber Leser,


Ich möchte heute ein kleines Gedankenexperiment mit Ihnen durchführen. Stellen Sie sich vor, Sie managen einen großen Aktienfond. Die Analysten ihres Fonds geben Ihnen Anfang April 2014 eine Studie in die Hand, nachdem die Bayer Aktie im Moment unterbewertet ist. In den Strategiemeetings wird daher beschlossen, in dieser Aktie eine größere längerfristige Position aufzubauen. Wie geht es Ihnen an Punkt 1 des Charts? Sie freuen sich wahrscheinlich wie ein Schneekönig, dass die Aktie gerade jetzt relativ günstig zu haben ist, und beginnen mit den Käufen.


Sie haben eine große Position aufzubauen, und kaufen jeden Tag so gut es geht, ohne den Kurs zu weit nach oben zu treiben. Wie geht es Ihnen an Punkt 2? Wahrscheinlich denken Sie, dass Sie jetzt mit den Käufen etwas langsamer machen müssen, um den durchschnittlichen Einkaufskurs niedrig zu halten.


Was ist an Punkt 3 los? Sind Sie derjenige, der mit seinen Käufen für diese große grüne Bar sorgt, oder ist es jemand anderes? Wie ist Ihr Kaufverhalten zwischen Punkt 3 und Punkt 4, und was sind Ihre Gedanken an Punkt 4? Wie geht es Ihnen aktuell? Angenommen, die geplante Position ist halb aufgebaut. Ihr Ziel ist weiterhin, den Kaufkurs so niedrig wie möglich zu halten. Zugleich soll der Positionsaufbau aber bis Jahresmitte abgeschlossen sein.

Tageschart der Bayer Aktie Anfang Juni 2014


Niemand kann Aktienkurse prognostizieren. Aber über Charts können sie das Verhalten von anderen Marktteilnehmern beobachten, und Vorteile aus den Zwängen ziehen, unter denen diese stehen. Was ich Ihnen daher vermitteln möchte: Je besser Sie sich in die Lage der Anderen hineinversetzen können, desto größer ist der Vorteil für Sie selbst. Also lohnt es sich das zu trainieren, indem Sie zum Beispiel mit dem gerade geschilderten Gedankenexperiment anfangen.